Inklusion – 90% erreicht

Inklusion – 90% erreicht
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Ein Steg soll in diesem Beitrag für die Probleme der Gesellschaft stehen, Inklusion tatsächlich zu erreichen. Es ist ein Lehrstück für gutgemeinte Initiativen, widerstreitende Interessen, versteckte Ziele, Kompromisse in der Politik und letztlich eine nur teilweise befriedigende Lösung.

Der VSAW in Berlin wollte den Gedanken in die Tat umsetzen, Seglern mit Behinderung ihren Sport zu ermöglichen. Dazu bedarf es Einiges, unter anderem einen Steg, über den diese Segler in ihre Boote kommen. Mit den bestehenden traditionellen Stegen in Berlin ist das besonders schwierig: Feste Dalben in den Seeboden gerammt und Zugänge über einen Mittelsteg mit fester Höhe, Einstieg über den Bug bei unterschiedlichen Wasserhöhen.

Was folgte, ist ein mit bürokratischen wie mit politischen Mitteln geführte Auseinandersetzung zwischen Ökologie von Natur gegen Inklusion von Menschen. Die ökologische Seite argumentierte mit den Erfordernissen der Wasserwelt, die keine weitere Verschattung des Wannsees durch zusätzliche Stege mehr erlauben würde. Die inklusive Seite führte die Notwendigkeit dieser Stege für den inklusiven Segelsport an. Im Hinterkopf hatte man dabei auch die immer älter werdende Mitgliedschaft, die leichter aufs Boot kommen sollte als bisher.

Es standen sich also zwei Haltungen gegenüber, die jeweils für sich starke politische Fürsprache hervorrufen können. Was in unserer Politiksystem dabei herauskommt, ist meist ein Kompromiss, der in diesem Fall in einer zeitbezogenen Steggenehmigung bis zum Ende des Jahres 2023 besteht, in dem die Special Olympics in Berlin stattfinden. Das Ende ist derzeit offen.

Insofern feierten bei der IDM der 2.4er Offizielle und Politiker den Steg als Inbegriff der Inklusion. Und der Steg ist wirklich eine Augenweide, bietet Platz für wenigsten 11 2.4er, ist steif und neigt sich nicht zur Seite, auch bei Schwergewichten nicht.

Senatorin Iris Spranger, stolz auf den Stegerfolg zusammen mit Aktiven und Offiziellen

Eines hat man allerdings nicht verhindern können. Für Fußgänger ist er problemlos zu begehen. Für Rollstuhlfahrer sind allerdings die Abstände zwischen den Stegplanken so breit, dass man mit den Reifen dazwischen rutscht und erst dank Greifreifen nicht bis zu Achse abgeht. Aber gerade Rollstuhlfahrer können mit den Widrigkeiten des Lebens umgehen. Auf diesem Steg muss man halt möglichst diagonal zu den Planken fahren und das heißt letztlich im Zickzack, um auf die andere seite zu kommen. Es wurde gesagt, die eingebauten Abstände seien für die Sonneneinstrahlung zu den Fischen vorgeschrieben.

Lichtstreifen für Fische

Das ist kein Treppenwitz der Geschichte oder eine Erzählung aus Schilda, sondern erlebte Realität in unserer Republik. Aber immerhin Inklusion ist an dieser Stelle – sagen wir – zu 90 % erreicht. Das ist ein großer Erfolg – hoffentlich über 2023 hinaus.

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