One Design am Ende?
One Design am Ende?

One Design am Ende?

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Seit Jahren schwelt der Streit in der Klasse, ob wir eine One-Design-Klasse werden sollen oder Konstruktionsklasse bleiben. Der Konflikt wurde vor Jahren dadurch beigelegt, dass man entschieden hat: One Design (OD) muss in die Konstruktionsformel passen, umgekehrt aber nicht. Das heißt, alle Boote sind ein 2.4er, aber die meisten sind kein OD. So weit so Ruhe. Bis World Sailing entschied, dass das Parasegeln, insbesondere bei Welt- und Europameisterschaften und den Paralympics nur in OD-Booten gesegelt wird. Damit wurde der Konflikt in die Inklusionsfähigkeit unseres wunderbaren Bootes hineingetragen.

Bereits im Februar 2021 resignierten mehrere Funktionäre von Klassenvereinigungen wegen der nicht hinnehmbaren Art der Auseinandersetzungen. Der Vorstand der Deutschen 2.4mR Klassenvereinigung formulierte damals heute noch aktuelle bedenkenswerte Sätze, trat dann aber kurz danach ebenfalls entnervt zurück.

Zur Europameisterschaft in Quiberon nimmt die Sache nun eine abstruse Wendung für die Wertung zur Para-Europameisterschaft, denn dort ist in der Ausschreibung regelgerecht festgelegt, dass Segler in dieser Wertung auf OD-Booten segeln müssen. Dagegen hat der aktuelle Präsident der Internationalen 2.4mR Klassenvereinigung (ICA) und jahrelange Treiber des Behindertensegelns mit OD-Booten, Heiko Kröger, in langen E-Mail-Disputen mit den Veranstaltern darauf gedrängt, die OD-Regel aufzuheben und letztlich alle Norlin MK 3 Boote zuzulassen. Das Ganze ohne Rücksprache mit den Gremien der ICA.

Dabei spielt plötzlich das Argument eine große Rolle, dass nur sehr wenige Parasegler in OD-Booten segeln (siehe die früheren bedenkenswerten Sätze). Im übrigen scheinen etliche OD-Boote nicht über OD-Zertifikate zu verfügen, weil der bisherige Monopol-Bootsbauer die entsprechenden Gebühren nicht entrichtet hat.

Der zuständige internationale Vermesser Keith Gordon hat letztlich die Aufforderung von Heiko, die Ausschreibung (NOR) zu ändern, abgelehnt. Als Internationaler Vermesser sei es seine Aufgabe, die Regeln aufrecht zu erhalten, nicht sie aufzuheben, weil sie unbequem sind. Im anderen Fall werde er als Vorsitzender des Technischen Ausschusses für die Europameisterschaft zurücktreten.

Darauf hat Heiko seine Initiative zurückgezogen mit der Begründung, alles sei ein Missverständnis.

Sind damit Regatten mit OD-Booten am Ende? Das wäre ein schönes Ergebnis dieser jahrelangen, nutzlosen und die Entwicklung der Klasse so hinderlichen Auseinandersetzung.

Schneller als erwartet, ist aus dem Fragezeichen ? in der Überschrift eine Ausrufungszeichen ! geworden. Siehe OD + Paralympics aus!

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4 Kommentare

  1. Bullmore

    Well written Detlef. So much pain for so long and seemingly no end to the conflict. For those of us who have suffered directly, the joy of sailing the 2.4mR was denied us. For me, my search for a comparable boat has been fruitless and a realisation that all able bodied to some degree must wrestle with their increase in age. My decision then is to once again take up the 2.4 and I hope I will be welcome.
    For the OD issue I find no option but for it to be gifted to World Sailing, or their Para offshoot, and for them to do what they want, outside our class, to support its involvement in any future Games. This must be for the NCAs via the EC to enact without further bloodshed.
    For our class we should major on ‘inclusion’ as our objective. To practically support and welcome any disabled (or aged!) sailor who believes in our aims. To me there is no need to patronise disability within our fleet and our top sailors are testament to this.
    Therefore we should no longer support or be involved with any regatta that purports to give Para titles. World Sailing can do that on their own but without hiding the relatively low level of disabled sailors in our fleet behind overall entry numbers.
    For the 2.4 class to accept this aim it must be in the belief that we can once more be a harmonious fleet, enjoying top racing and the friendship that exists across borders.
    Surely the ongoing Russian moves and despair for those directly involved should make the rest of us, who for the moment are untouched, see the issues we face in the right proportion.
    Good luck to the organisers and officials, plus all sailors, to enjoy the Quiberon event as if it is our last.
    Best wishes
    Steve

    1. Hi Steve,
      I am very happy to hear that you will be sailing 2.4 again. Your voice in the international space was and is very important! As you can see impressively in your post above.
      I hope we meet again soon, on the water and on land.
      Detlef

  2. Lieber Detlef !
    Es ist Dir sicher bekannt, dass mich das „Trauma“ der OD Diskussion schon seit Jahren bewegt. 2.4mR Boote mit OD Plakette, aber ohne Zertifikat, von der Werft ausgeliefert oder umgekehrt. Es gab und gibt viele „kleine“ Geschichten rund um das Thema OD Boote. Die Geschichten sind hinlänglich bekannt und im Details eher langweilig …. Die Internationale KV hat 2019 in Zusammenarbeit mit der deutschen KV, ein Vermessungsseminar in Münster durchgeführt – mit dem Ziel die 2.4mR Regel ( nicht OD ! ) für Vermesser transparenter zu machen. Es bleibt zu hoffen, dass der Weg der Akzeptanz unserer 2.4mR Vermessungsregel nun wieder beschritten wird. Erste Anzeichen gibt es bereits. Vermesser Thomas Jatsch hat bei mehreren online „Stammtischen“ Details erklärt und wird das auch weiterhin tun.
    Da ist also „Licht“ am Ende des Tunnels und die Klasse wir es sicher danken.
    Grüße aus Münster!

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