Loic Eonnet zur Inklusion
Loic Eonnet zur Inklusion

Loic Eonnet zur Inklusion

4.6
(12)

Loic Eonnet

Ich segelte die Internationale Deutsche Meisterschaft am Chiemsee. Doch dieser Text handelt nicht von den Wettfahrten oder den Ergebnissen, sondern was mir zur Inklusion einfiel, während ich jeweils 12 Stunden hin und zurück fuhr nach und von Prien.

Zurück von der Deutschen Meisterschaft in Prien, meine Gedanken zu den Spannungen in der Deutschen 2.4mR Klasse

Bei der Suche nach einem Gleichgewicht zwischen Exklusion und Inklusion scheint es keine einfache Lösung zu geben.

Nach vielen Jahren als 2.4mR Segler bin ich erstaunt, dass extreme Argumente unausgeglichen vorgebracht werden.

Inklusion

Behinderung ist die ungerechteste aller Ungleichheiten.

Wenn man eine Gruppe von Teilnehmern auf behinderte Menschen beschränkt, sind die Ergebnisse leider von der Ungerechtigkeit der Ungleichheiten beeinflusst. Es ist dann fast unmöglich, diese Ungleichheiten in einfache Differenzierungen umzuwandeln. Wenn die Gemeinschaft hingegen offen ist, werden die Erfahrungen und Qualitäten jedes Einzelnen zu einem echten Wettbewerb, bei dem „nur der Kopf zählt“.

In einem Wettbewerb, bei dem „nur der Kopf über dem Boden ist“, werden unsere Fehler dann zum einzigen wirklichen Handicap. Die Hierarchie wird offener und der Wettbewerb wird für alle interessanter!

Wir organisieren im 2.4er die einzige Veranstaltung in allen Sportarten, bei der auf allen Ebenen „nur der Kopf zählt“:  „Jung und Alt“, „Behinderte und Nichtbehinderte“, „Frauen und Männer“, „Dünne und Dicke“, „Kleine und Große“.

Inklusion ist unser Kapital!

Die Olympischen Spiele

Es tut mir leid, dies zu schreiben, aber es wird bei den Paralympischen Spielen kein Einhandsegeln mehr geben, niemals!

Hierfür gibt es drei rationale Gründe:

  • Segeln ist ein komplexer Sport, der für Laien schwer zu verstehen ist. Was können wir tun, wenn das Starboot oder das Finn Dinghi durch das KiteSurfen ersetzt werden?
  • Beim Einhandsegeln können die Unterschiede zwischen den Konkurrenten zu echten Ungleichheiten werden. Ungleichheiten, die den Wettbewerb in den Augen der Zuschauer verzerren, aber die Olympischen Spiele sind ein Spektakel für Zuschauer.
  • Die Kosten für eine Nationalmannschaft sind nicht mehr für genügend Länder akzeptabel, um das Internationale Olympische oder Paralympische Komitees zu interessieren. 

Ich bin auch seit langem der Meinung, dass der Olympionismus die Entwicklung von Wettbewerb bremst. Auf den ersten Blick mag dies eine seltsame oder verzerrte Sichtweise sein, aber es ist die Realität.

Der „Rausch“ der Olympischen Spiele ist zu einer Verlockung geworden, da die Teams immer professioneller werden, insbesondere in teuren Sportarten wie bei unseren Booten. 

Frankreich ist ein gutes Beispiel, das wahrscheinlich in vielen Ländern ähnlich ist. Die föderalen Strukturen ersticken die kleinen Vereine, die sich dann anderen Bootstypen zuzuwenden, von deren Erfolgen aber abends bei einem Bier oder Glas Wein erzählen.

Dies schränkt das Niveau der Regatten jedoch keineswegs ein, im Gegenteil, jeder hat seinen Platz, und wenn man sich umschaut, bleibt die Hierarchie der Wettbewerber das Ergebnis von persönlichen Strategien, die langfristig angelegt sind und nicht mehr in den vier Olympischen Jahren entwickelt wurden.

Ich möchte von einem Traum erzählen

Es gibt eine Klasse von kleinen Booten, die oft von den Großen belächelt wird.

Die seit 35 Jahren aktive Klassenvereinigung organisiert ernsthafte Regatten, über die niemand viel spricht, obwohl ±25 % der Teilnehmer behindert sind.

Die Verbände haben ihnen geholfen, waren es dann aber leid.

An einigen ihrer Meisterschaften nahmen 90 Boote teil, an der letzten covidbedingt nur ±40, aber das ist schon viel.

Die zehn bestplatzierten Boote werden immer zwischen Frauen, Männern und Behinderten und Nichtbehinderten (!) aufgeteilt.

Kommt Euch das bekannt vor?

Nein, es handelt sich nicht um die 2.4, sondern um die französische MiniJ-Klasse!

Ohne Olympionismus, ohne „Behinderten“-Meisterschaften, einfach mit Inklusion und einer dynamischen und konstruktiven Klassenvereinigung.

Wir haben das Glück zu glauben, dass wir eine internationale Klasse sind. Aber seien wir mal ehrlich, wie viele Nationen sind wirklich aktiv?

Wenn also die mächtigste 2.4mR Klasse, also die deutsche Klasse, sich gegenseitig zerfleischt, aus welchen Gründen auch immer, ist das nicht konstruktiv!

Ich verstehe die Frustration mancher, aber der olympische Traum ist ein Traum, auf dem kein konstruktives Projekt aufgebaut werden kann – ohne unsere wirklichen Vorteile zu nutzen:

Nur der Kopf guckt heraus

Nur der Kopf zählt

Inklusion ist die einzige Lösung

Deutsche Übersetzung: Manuela Libor, Französisches Original: hier

Wie gefällt Dir dieser Beitrag?

Klick auf eine Trophäe!

Durchschnittliche Bewertung 4.6 / 5. Abstimmungen bisher 12

Bisher keine Bewertungen! Sei der Erste, der diesen Beitrag bewertet.

(201 Besuche)

2 Kommentare

  1. Hallo Loic !
    Da dachte ich, die Rückfahrt von einer 2.4mR Regatta sei einfach nur langweilig. Weit gefehlt! Deine Gedanken und Meinungen haben mich eines Besseren belehrt. Ich stimme Dir zu, dass wir den Wettlauf für eine Olympiateilnahme nicht gewinnen können. Es ist für uns als 2.4mR Klasse wichtig, gemeinsam Ziele zu verfolgen, die uns nicht trennen, sondern motivieren. Die künstliche Trennung in Para, nicht Para etc. ist dem nicht zuträglich. Die Einzigartigkeit unserer Klasse ist unser Vorteil und wir sollten das intensiver nach Außen vertreten – auch ohne Olympia. Auf der Fahrt zur Regatta nach Sneek wird mir vielleicht noch etwas einfallen – wir werden sehen.

  2. Schroeder

    Very sound thinking from Loic. Only as a single, inclusive class can we grow. I think the Paralympic issue is very difficult and I can see both sides of the argument. But let’s debate it as a single class with logic and clear thought and let’s put aside our personal needs for the good of the whole class.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

DeutschEnglish